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Calwer Passage Stuttgart

Calwer Passage – Ein Dachwald für Stuttgart

Seit 2018 laufen die Bauarbeiten für den Neubau der Calwer Passage in Stuttgart. ingenhoven associates setzt derzeit die intensive Bepflanzung des Gebäudes um. 

 

Über 82 Bäume, u.a. Schwarzkiefer, Stieleiche, Schwedische Mehlbeere, Hainbuche und Gleditsie bilden eine vielfältige, reiche Dachlandschaft mit jeweils ganz eigener Charakteristik auf den einzelnen Etagen. Dazu werden die Fassaden des Wohn- und Geschäftshauses entsprechend einem fein austarierten System mit Rank- und Hängepflanzen dicht begrünt. Bauherr ist die Ferdinand Piëch Holding GmbH. Das Konzept für das urbane Grün wurde von ingenhoven associates entwickelt.

 

Am prägnantesten und von Weitem sichtbar ist der Dachwald im siebenten Obergeschoss. Die Bäume, die hier jetzt gepflanzt werden, sind bis zu zehn Meter hoch. In den kommenden Jahren wachsen sie bis zu einer Kronenhöhe von zwölf Metern. Im sechsten Obergeschoss lädt eine weitläufige Hügellandschaft mit Bäumen, Terrassen und Kräuterwiese zum Entspannen und Tagträumen ein, dazu im Innenhof des ersten Obergeschosses ein Garten mit Beeten, etwas niedrigeren Bäumen und Sträuchern sowie Gleditsien auf dem Calwer Platz.

 

Für die Fassadenbegrünung werden 2.000 Pflanzgefäße – 1.700 laufende Meter mit insgesamt 11.000 Setzlingen – in eine Konstruktion vor der Fassade eingesetzt. Zwischen die Geschossebenen gespannte Stahlseile und Netze dienen als Rank- und Kletterhilfen. Ein reiches Arrangement, unter anderem Lonicera, Clematis, Jungfernrebe, Cotoneaster, Winterjasmin, Purpurbeere, Efeu und Eibe, hängen teils über die Pflanzgefäße, wachsen teils in die Höhe. So entsteht eine in horizontaler und vertikaler Dimension sowie in der Dichte differenzierte Bepflanzung – moderat vor den Büros, um das einfallende Licht nicht zu beeinträchtigen, dafür umso dichter vor den Treppenhäusern. Seit 2019 wurden die Pflanzen in einer Baumschule in den Pflanzgefäßen vorkultiviert. Sie erreichen die Baustelle mit vollständig ausgebildeten Wurzeln, voluminösem Blattwerk und können sich dadurch schnell akklimatisieren.

 

Greening the City – ortsspezifische Antworten

 

Wie schon beim Kö-Bogen II in Düsseldorf, Europas größter Grünfassade, wurden ingenhoven associates für die Konzeption des Begrünungssystems, die Auswahl und Pflege der Pflanzen von dem Phytotechnologen Prof. Dr. Strauch von der Beuth Hochschule für Technik in Berlin sowie dem Vegetationsökologen Prof. Dr. Reif, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, beraten. Indem der Kö-Bogen ausschließlich mit Hainbuchen bepflanzt wurde – 35.000 Pflanzen, aneinandergereiht eine Hecke von acht Kilometern Länge – verfolgten ingenhoven associates in Düsseldorf einen skulpturalen Ansatz als Antwort auf die Ikonen der Nachkriegsmoderne Dreischeibenhauses und Schauspielhaus. In Stuttgart wählten sie eine freiere, wildere Komposition. Damit setzen ingenhoven associates ihre intensive Beschäftigung mit urbanem Grün, die Suche nach ortsspezifischen Antworten fort. Seit vielen Jahren spielen Pflanzen als integraler Bestandteil des Entwurfs eine zentrale gestalterische Rolle in fast allen Projekten des Büros. Mehr Grün in der Stadt – in einem größeren Kontext betrachtet, ist urbanes Grün zugleich ein essentieller Teil der Antwort von Städten, um auf die zunehmenden Folgen des Klimawandels zu reagieren.

 

Gründächer- und fassaden verbessern das Mikroklima der Stadt, indem sie Kohlendioxid und Staub binden, den Lärm dämpfen, die Biodiversität fördern und das allgemeine menschliche Wohlbefinden stärken. Ihre größte Wirkung entfalten sie jedoch, indem sie den innerstädtischen Wärmeeffekt reduzieren und Regenwasser speichern. Konventionelle mineralische oder Bitum-Flächen heizen sich vor allem im Sommer stark auf, speichern einen Teil der aufgenommenen Wärme, geben sie über einen längeren Zeitraum ab, unsere Innenstädte heizen sich immer weiter auf. Laubschichten fungieren hingegen als großflächiger Energiewandler, sind stets etwas kühler als die Temperatur der Luft und wirken so dem innerstädtischen Hitzeeffekt entgegen. Das Rückhalten von Regenwasser ermöglichen insbesondere die begrünten Dächer. Während durch Flächenversiegelung in vielen Bereichen unserer Städte der Wasserkreislauf unterbrochen ist, wird hier die Lücke im Wasserkreis geschlossen und auf natürliche Weise eine Überlastung der städtischen Kanalisation verhindert.

  • Standort
  • Stuttgart
  • Gebaut
  • Bauzeit: 2018–2022